Mit nassen Füßen auf den Spuren des Bibers

Exkursion der Klasse 9a ins Rotmoos bei Isny

Warum sind Moore echte Klimaschützer? Wie entsteht Torf? Und weshalb standen plötzlich alle mit nassen Schuhen da? Antworten auf diese Fragen erhielt die Klasse 9a bei ihrer Exkursion ins Rotmoos bei Isny. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Renate König und Naturlotsin Hannah Ullrich erkundeten die Schülerinnen und Schüler eines der faszinierendsten Naturgebiete des Allgäus.

Ein Blick in die Erdgeschichte

Gleich zu Beginn ging es auf eine Reise in die Vergangenheit: Nach dem Rückzug des Rheingletschers am Ende der letzten Eiszeit entstand durch den Wasserrückhalt zunächst ein See. Ablagerungen bildeten am Grund eine wasserundurchlässige Schicht. Im Laufe der Jahrtausende verlandete der See, abgestorbene Pflanzen wurden unter Sauerstoffabschluss nicht vollständig zersetzt und zu Torf zusammengepresst – das Bodenmöser-Moor war entstanden.

Die Moore als riesige Schwämme

Direkt vor Ort konnten die Jugendlichen die Unterschiede zwischen Hoch- und Niedermoor erkennen. Besonders eindrucksvoll wurde die wichtige Funktion der Moore als natürliche Wasserspeicher erklärt: Wie riesige Schwämme nehmen sie enorme Mengen Wasser auf, speichern es und geben es in Trockenzeiten langsam wieder ab. Damit regulieren sie den Wasserhaushalt und leisten einen wichtigen Beitrag zum Hochwasser- und Klimaschutz.

Neuer Lebensraum in der ehemaligen Kiesgrube

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Geotops Bodenmöser, einer ehemaligen Kiesgrube. Durch den Kiesabbau entstand hier ein außergewöhnlich nährstoffarmer und sonniger Lebensraum, der heute zahlreichen spezialisierten Tierarten eine Heimat bietet. Mit etwas Glück entdeckten die Schülerinnen und Schüler seltene Wildbienen, Heuschrecken, Libellen und Amphibien – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich aus einem ehemaligen Abbaugebiet ein wertvoller Lebensraum entwickeln kann.

Abenteuerliche Spurensuche beim Biber

Für die größte Begeisterung sorgte jedoch die Spurensuche nach dem Biber. Ein von ihm aufgestauter Bach hatte den Wanderweg teilweise überflutet. Die Klasse watete kurzerhand durch das Wasser und untersuchte anschließend mit viel Gelächter den Zustand von Schuhen und Socken. Umgestürzte Bäume mit deutlichen Nagespuren, sogenannte „Biberchips“, zeigten eindrucksvoll, wie stark der größte heimische Nager seine Landschaft verändert.

Seltene Arten im Moor-Paradies

Auch die Pflanzen- und Tierwelt des Moores beeindruckte die Klasse. Zwischen Wollgras und Spirken entdeckten die Schülerinnen und Schüler das Gefleckte Knabenkraut und den Grünen Germer. Außerdem ließen sich das Braunkehlchen sowie die Schmetterlinge Kaisermantel und Hochmoor-Bläuling beobachten.

Winzige Fläche, riesiger Klimaschutz

Besonders eindrucksvoll waren die Informationen von Naturlotsin Hannah Ullrich zur Bedeutung der Moore für das Klima. Obwohl Moore weltweit nur etwa drei Prozent der Landfläche bedecken, speichern sie doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Werden sie zerstört oder entwässert, wird dieser Kohlenstoff als Kohlendioxid freigesetzt und verstärkt den Klimawandel erheblich.

Fazit: Naturwissenschaft zum Erleben

Die Exkursion machte deutlich, dass Moore weit mehr sind als geheimnisvolle Feuchtgebiete. Sie sind einzigartige Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen, natürliche Wasserspeicher und unverzichtbare Klimaschützer. Für die Klasse 9a war es ein erlebnisreicher Tag, an dem Naturwissenschaft nicht nur erklärt, sondern mit allen Sinnen erlebt werden konnte.