Ein Raum voller Entdeckungen

Perspektivwechsel in St. Georg und Jakobus: unsere 10er durften die Kirche mal ganz anders erleben

Der katholische Religionsunterricht der Klasse 10 von Frau Briegel verließ vor kurzem das Klassenzimmer, um einen Ort zu erkunden, den viele zwar kennen, aber selten so intensiv erleben: Die Kirche St. Georg und Jakobus in Isny. Im Rahmen einer besonderen Unterrichtseinheit zur Kirchenraumpädagogik machten sich die Schülerinnen und Schüler daran, den Sakralbau nicht nur als historisches Gebäude, sondern als lebendigen Erfahrungsraum mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Den Raum mit neuen Augen sehen

Kirchenraumpädagogik verfolgt einen besonderen Ansatz: Weg von der reinen Wissensvermittlung über Architektur und Jahreszahlen, hin zum persönlichen Erleben. Statt nur über Symbole oder Bilder zu sprechen, durften die Jugendlichen den Raum ganz individuell auf sich wirken lassen. Gerade für Schülerinnen und Schüler, die Kirchen oft nur aus dem Kontext klassischer Gottesdienste kennen, boten sich so völlig neue Perspektiven auf die Kunst, die besondere Atmosphäre und die Bedeutung einzelner Orte innerhalb der Kirche.

Von persönlichen Lieblingsplätzen und Federn

Die kleine Exkusrion begann mit einer Suche nach dem eigenen Ich im großen Raum. Jede Schülerin und jeder Schüler wählte einen persönlichen Lieblingsplatz aus und legte dort eine Feder ab. Dieses schlichte Zeichen stand symbolisch dafür, dass jeder Mensch seinen ganz eigenen, festen Platz im Raum und im Leben hat. So fand jeder einen individuellen Zugang, bevor die Gruppe gemeinsam auf Entdeckungsreise ging.

Anschließend durften wir etwas tun, was man in einer Kirche sonst eigentlich nie macht: Wir legten uns flach auf die Kirchenbänke und richteten den Blick nach oben. Aus dieser ungewohnten Liegeposition ließen wir die beeindruckenden Deckengemälde und die feinen Verzierungen der Barockkirche auf uns wirken. In der Stille wurden so Details sichtbar, die im Vorbeigehen oder beim Sitzen oft verborgen bleiben.

Gemeinschaft und Ermutigung für die Zukunft

Im Altarraum, dem Herzstück der Kirche, kam die Klasse schließlich zusammen, um Brot miteinander zu teilen. Dieses gemeinsame Essen wurde zum Ausdruck von Gemeinschaft und Verbundenheit über den Schulalltag hinaus. Ein besonders bewegender Moment bildete den Abschluss der Einheit: Jede und jeder rief den eigenen Namen laut in den weiten Kirchenraum hinein. In Anlehnung an das biblische Wort aus dem Buch Jesaja (Jes 43), „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen“, wurde spürbar, dass der Mensch in seiner Einzigartigkeit gemeint ist.

Gerade für die Zehntklässler, die kurz vor ihren Abschlussprüfungen stehen, war diese Erfahrung mehr als nur Unterricht. Es war ein wichtiges Zeichen der Ermutigung in einer stressigen Zeit: Die Zusage, dass jeder Mensch gesehen und bei eigenen Namen gerufen wird und auf dem eigenen Lebensweg – auch nach der Schulzeit – begleitet zu sein.